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Rheinsteig wandern: Von Bonn nach Wiesbaden über Weinberge und Burgen

Der Rheinsteig auf der rechten Rheinseite: Verlauf, Abschnitte vom Siebengebirge bis in den Rheingau, Anspruch, beste Jahreszeit, Anreise mit der Bahn und Tipps für Etappen.

Kaum ein Fernwanderweg in Deutschland bietet so viele Postkartenblicke wie der Rheinsteig. Auf rund 320 Kilometern führt er auf der rechten Rheinseite von Bonn bis nach Wiesbaden, durch das Siebengebirge, über steile Weinberge, vorbei an Burgen und durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal mit der Loreley. Unten im Tal ziehen Schiffe vorbei, auf beiden Ufern rollen Züge, und oben auf den Höhen ist es oft erstaunlich still. Wer den Weg unterschätzt, merkt allerdings schnell: Der Rheinsteig ist kein gemütlicher Uferweg, sondern ein Höhenweg mit vielen steilen Auf- und Abstiegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Länge rund 320 Kilometer, von Bonn bis Wiesbaden-Biebrich, meist in etwa 20 Tagesetappen eingeteilt.
  • Der Weg verläuft fast immer auf den Höhen und steigt immer wieder vom Rheintal auf. Gute Kondition und Trittsicherheit sind nötig.
  • Beste Zeit: Frühjahr mit blühenden Hängen und Herbst mit Weinlese und Farben. Im Hochsommer sind die Südhänge heiß.
  • Fast jeder Etappenort hat einen Bahnhof. Streckenwanderungen ohne Auto sind einfach.
  • Der Rheinburgenweg auf der linken Rheinseite ist das Gegenstück zwischen Bingen und Rolandseck.

Charakter des Weges

Der Rheinsteig wurde 2005 eröffnet und ist als Premiumweg ausgezeichnet. Er ist durchgehend mit einem eigenen Logo markiert, dazu kommen Zuwege von den Bahnhöfen und Orten im Tal, die gesondert beschildert sind. Typisch ist der ständige Wechsel: Waldpfade auf den Höhen, Aussichtspunkte über dem Strom, steile Weinbergpfade mit Stufen und Leitern, kleine Täler, die der Weg ausläuft und wieder hinaufsteigt, und historische Ortskerne mit Fachwerk.

Weil der Weg so oft zwischen Fluss und Höhe pendelt, summieren sich die Höhenmeter. Selbst Etappen von 15 bis 20 Kilometern können sich anfühlen wie eine Bergtour. Plane deshalb nicht nur nach Kilometern, sondern rechne die Gehzeit mit Höhenmetern aus, wie in Gehzeit berechnen beschrieben.

Der Verlauf in vier Abschnitten

Bonn bis Neuwied: Siebengebirge und Weinort Linz

Der Start in Bonn führt rasch in das Siebengebirge, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Hier warten mit dem Drachenfels und weiteren Kuppen vulkanischen Ursprungs die ersten kräftigen Anstiege und weite Blicke über die Kölner Bucht. Danach wird es ruhiger: Waldwege, Bachtäler und kleine Orte wie Unkel und Linz am Rhein mit ihrem bunten Fachwerk. Über Bad Hönningen geht es Richtung Neuwied, wo der Weg einen weiten Bogen durch das Hinterland schlägt.

Neuwied bis Koblenz: Wälder und die Festung Ehrenbreitstein

Dieser Abschnitt ist waldreicher und weniger spektakulär, dafür oft einsam und angenehm schattig. Höhepunkt ist die Festung Ehrenbreitstein gegenüber dem Deutschen Eck, wo Mosel und Rhein zusammenfließen. Von der Festung hast du einen der schönsten Blicke auf Koblenz.

Koblenz bis Kaub: Mittelrheintal und Loreley

Ab Lahnstein beginnt das eigentliche Welterbe. Der Weg führt an der Marksburg über Braubach vorbei, einer Höhenburg, die nie zerstört wurde, und weiter über Kamp-Bornhofen mit Blick auf die „feindlichen Brüder“, zwei benachbarte Burgen. Bei St. Goarshausen steigst du zum Loreleyfelsen hinauf, wo der Rhein besonders eng und tief ist. Danach wird es wild und steil: Schieferpfade, Weinbergterrassen und kleine Seitentäler bis nach Kaub mit der Burg Pfalzgrafenstein mitten im Fluss.

Kaub bis Wiesbaden: Rheingau

Hinter Lorch und Assmannshausen, bekannt für Rotwein, öffnet sich das Tal. Über dem Niederwalddenkmal bei Rüdesheim geht es in den Rheingau mit seinen sanfteren Weinbergen, Klöstern und Gutshöfen. Die letzten Etappen über Eltville bis nach Wiesbaden-Biebrich sind weniger steil und führen durch eine offene Kulturlandschaft.

Wie schwer ist der Rheinsteig?

AspektEinschätzung
Konditionmittel bis hoch, viele steile Anstiege an fast jedem Tag
Trittsicherheitan Weinbergpfaden, Felsen und Stufen nötig, bei Nässe rutschig
Orientierungeinfach, durchgehend markiert
Versorgunggut, Orte im Tal, oft aber Ab- und Wiederaufstieg nötig
Eignung für Einsteigereinzelne Etappen ja, die ganze Strecke eher für Geübte

Die steilsten Passagen haben Geländer, Stahlseile oder Stufen. Schwindelfrei musst du nicht sein, aber bei Nässe sind Schieferstufen und Wurzeln glatt. Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind Pflicht. Was dabei wichtig ist, erklärt unser Ratgeber Wanderschuhe kaufen.

Planung: Etappen, Unterkünfte und Gepäck

Die übliche Einteilung umfasst etwa 20 Tagesetappen zwischen 10 und 23 Kilometern. Viele Wanderer passen sie an, legen kürzere Tage ein oder kombinieren zwei kurze Etappen. Weil fast jedes Dorf im Tal einen Bahnhof hat, kannst du die Etappen frei wählen und zwischendurch abbrechen.

Unterkünfte: Hotels, Pensionen, Winzerhöfe und Ferienwohnungen gibt es reichlich. Zur Weinlese im September und Oktober und an Feiertagswochenenden sind Unterkünfte in beliebten Orten schnell ausgebucht. Buche dann früh.

Gepäck: Mehrere Anbieter organisieren Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft. Dann wanderst du mit einem leichten Tagesrucksack, was bei den vielen Anstiegen eine große Erleichterung ist. Mehr zur Planung einer mehrtägigen Tour steht in Die erste Fernwanderung planen.

In Teilstücken: Viele Menschen wandern den Rheinsteig über mehrere Jahre in Wochenendabschnitten. Das ist dank der guten Bahnanbindung bequem: Auto am Zielort parken oder ganz mit der Bahn anreisen, Etappe laufen, mit dem Zug zurückfahren. Tipps dazu stehen in Wandern ohne Auto.

Beste Jahreszeit

  • Frühjahr (April bis Juni): frisches Grün, blühende Hänge, angenehme Temperaturen. Ideal für die steilen Abschnitte.
  • Sommer: möglich, aber an den südexponierten Weinbergen wird es sehr heiß. Starte früh, nimm viel Wasser mit und lies unseren Ratgeber über Hitze beim Wandern.
  • Herbst (September bis Oktober): Weinlese, Federweißer, bunte Wälder und oft klare Sicht. Die schönste Zeit, aber auch die vollste.
  • Winter: Einzelne Etappen sind an trockenen Tagen reizvoll. Viele Gaststätten haben dann geschlossen, und Schieferpfade können vereist sein.

Rheinsteig oder Rheinburgenweg?

Auf der linken Rheinseite verläuft zwischen Rolandseck und Bingen der Rheinburgenweg. Er ist kürzer, ebenfalls gut markiert und führt an Burgen wie Rheinfels und Stahleck vorbei. Der Rheinsteig gilt als etwas wilder und anspruchsvoller, der Rheinburgenweg als etwas sanfter. Mit den Fähren über den Rhein kannst du beide Wege kombinieren und Rundtouren bilden.

Häufige Fragen

Wie viele Tage brauche ich für den ganzen Rheinsteig?

Für die gesamte Strecke solltest du etwa drei Wochen einplanen, wenn du ihn am Stück gehst. Sportliche Wanderer schaffen ihn in zwei Wochen, verzichten dann aber auf Pausen und Besichtigungen.

Welche Etappe ist für einen Tagesausflug am schönsten?

Sehr beliebt ist der Abschnitt rund um die Loreley zwischen St. Goarshausen und Kaub. Er bietet steile Weinbergpfade, Burgen und Blicke in das enge Tal. Plane wegen der Höhenmeter einen ganzen Tag ein.

Kann ich den Rheinsteig mit Hund gehen?

Ja, in den meisten Abschnitten. An Leitern und sehr steilen Stufen musst du kleine Hunde eventuell tragen, und in den Weinbergen gilt Leinenpflicht. Mehr dazu in Wandern mit Hund.

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