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QURMQuellen, Urwald, Rucksack, Morgenrot

Rothaarsteig: der Weg der Sinne von Brilon nach Dillenburg durch Sauerland und Siegerland

Der Rothaarsteig im Überblick: Verlauf von Brilon über Kahlen Asten und Rhein-Weser-Turm nach Dillenburg, Etappen, Charakter, Waldwandel, Anreise und Tipps.

Der Rothaarsteig führt über den Kamm des Rothaargebirges, eines der waldreichsten Mittelgebirge Deutschlands. Auf rund 150 Kilometern verbindet er Brilon im Hochsauerland mit Dillenburg in Hessen und quert dabei das Sauerland, das Wittgensteiner Land und das Siegerland. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2001 trägt er den Beinamen „Weg der Sinne“: Unterwegs laden Aussichtspunkte, Waldsofas, Türme und Kunstwerke dazu ein, die Landschaft bewusst wahrzunehmen. Der Weg ist gut markiert, technisch einfach und gut mit der Bahn erreichbar, was ihn zu einer idealen ersten Fernwanderung macht.

In den vergangenen Jahren hat sich das Bild des Rothaargebirges stark verändert. Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben große Fichtenwälder vernichtet, und vielerorts wandert man heute durch offene Flächen mit weiten Ausblicken und jungem Wald. Dieser Ratgeber beschreibt den Verlauf, die Höhepunkte und die Planung, und er erklärt, was der Waldwandel für Wandernde bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Länge rund 150 Kilometer von Brilon bis Dillenburg, meist in sechs bis acht Tagesetappen.
  • Der Weg verläuft überwiegend auf dem Kamm in Höhen zwischen etwa 500 und gut 800 Metern, mit moderaten Steigungen.
  • Höhepunkte sind der Kahle Asten, die Hochheiden, die Quellen von Ruhr, Lenne, Eder und Sieg, der Rhein-Weser-Turm und zahlreiche Aussichtspunkte.
  • Viele Etappenorte haben einen Bahnhof oder eine Busverbindung. Streckenwanderungen sind gut ohne Auto möglich.
  • Nach Sturm- und Käferschäden sind manche Abschnitte schattenlos. Sonnenschutz und genug Wasser sind im Sommer wichtig.

Verlauf und Charakter

Der Rothaarsteig beginnt in Brilon am Nordrand des Hochsauerlands und steigt bald auf die Höhen. Er führt in die Nähe der Bruchhauser Steine, mächtiger Felsen aus vulkanischem Gestein, und erreicht über Willingen das Gebiet um Winterberg. Dort liegen mit dem Langenberg der höchste Berg Nordrhein-Westfalens und mit dem Kahlen Asten einer der bekanntesten Gipfel des Sauerlands, auf dem eine Wetterwarte und ein Aussichtsturm stehen.

Südlich von Winterberg folgt der Weg dem Hauptkamm des Rothaargebirges. Hier liegt das Quellgebiet mehrerer Flüsse: Ruhr, Lenne, Eder, Sieg und Lahn entspringen in dieser Gegend und fließen in ganz unterschiedliche Richtungen. Der Weg passiert mehrere dieser Quellen, die oft liebevoll gefasst sind. Am Rhein-Weser-Turm verläuft die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhein und Weser, was der Aussichtsturm im Namen trägt.

Im letzten Teil durchquert der Rothaarsteig das Siegerland und erreicht über die Höhen am Rand des Westerwaldes schließlich Dillenburg im Lahn-Dill-Kreis. Die Stadt mit ihrem Schlossberg und dem Wilhelmsturm ist ein würdiger Endpunkt.

Die Abschnitte im Überblick

Die Etappeneinteilung hängt davon ab, wo du übernachtest. Viele Unterkünfte liegen in Orten unterhalb des Kamms, die du über ausgeschilderte Zuwege erreichst. Eine typische Gliederung sieht so aus:

AbschnittGrob von – bisCharakter
Hochsauerland NordBrilon – WillingenBruchhauser Steine, Wälder, erste Aussichten
Rund um WinterbergWillingen – WinterbergLangenberg, Hochheiden, Kahler Asten, Ruhrquelle
RothaarkammWinterberg – Rhein-Weser-Turmeinsamer Kamm, Quellen, weite Waldgebiete
Wittgenstein und SiegerlandRhein-Weser-Turm – LützelEder- und Siegquelle, Wasserscheide, Ginsberger Heide
AusklangLützel – DillenburgÜbergang zu Westerwald und Dilltal, Ankunft im Ort

Die Tagesetappen sind meist zwischen 15 und 25 Kilometer lang. Weil der Weg überwiegend auf dem Kamm bleibt, halten sich die Höhenmeter in Grenzen. Zu den Unterkünften im Tal kommen allerdings oft Zuwege mit Ab- und Wiederaufstieg hinzu. Rechne sie in deine Planung ein, wie in Gehzeit berechnen beschrieben.

Hochheiden und Quellen

Eine Besonderheit des Hochsauerlands sind die Hochheiden. Auf den kargen, windigen Höhen um Winterberg und Willingen wachsen Heidekraut, Heidelbeeren und Preiselbeeren auf offenen Flächen, die über Jahrhunderte durch Beweidung entstanden sind. Im Spätsommer, wenn die Heide blüht, färben sich die Kuppen violett. Die Heiden sind geschützt und werden gepflegt, damit sie nicht zuwachsen. Bleib auf den Wegen, denn die Pflanzen und die Bodenbrüter, die hier leben, sind empfindlich.

Die Quellen am Weg sind kleine, stille Orte, an denen sich eine Pause lohnt. Trink das Wasser aber nicht ungefiltert, auch wenn es klar aussieht. Es ist nicht als Trinkwasser geprüft. Hinweise zum Wasser unterwegs findest du in Proviant und Trinken beim Wandern.

Waldwandel: was Wandernde erwartet

Im Januar 2007 fegte der Orkan Kyrill über Deutschland und warf im Sauerland Millionen Bäume um. Kaum hatten sich die Wälder davon erholt, folgten ab 2018 mehrere sehr trockene Sommer, in denen der Borkenkäfer die geschwächten Fichten in großem Stil befiel. Heute sind weite Teile des Rothaargebirges kahl oder mit jungem Wald bewachsen, in dem Birken, Ebereschen, Buchen und neu gepflanzte Mischbaumarten heranwachsen.

Für Wandernde hat das zwei Seiten. Einerseits sind viele Abschnitte, die früher im dunklen Fichtenwald lagen, heute offen und bieten weite Ausblicke. Andererseits fehlt im Sommer der Schatten, und auf den Kahlflächen wird es heiß. Nimm deshalb ausreichend Wasser und Sonnenschutz mit. In Gebieten mit abgestorbenen Bäumen gilt außerdem: Bei Sturm haben Wandernde im Wald nichts zu suchen, denn tote Bäume und Äste können jederzeit umstürzen. Beachte Sperrungen und Umleitungen nach Unwettern und Holzarbeiten.

Der Kyrill-Pfad: Sturmfläche zum Anfassen

Wie gewaltig die Kraft des Orkans war, zeigt der Kyrill-Pfad bei Schanze, einem kleinen Ort am Rothaarsteig in der Nähe von Schmallenberg. Auf einer Fläche, die nach dem Sturm bewusst nicht aufgeräumt wurde, führen Stege, Treppen und schmale Pfade über und zwischen umgestürzten Stämmen und aufgerichteten Wurzeltellern hindurch. Infotafeln erklären, wie sich die Natur auf solchen Flächen ohne menschliches Zutun erholt: Erst wachsen Gräser, Himbeeren und Fingerhut, dann Birken und Ebereschen, und unter ihrem Schutz kommen langsam Buchen und andere Laubbäume auf. Für Kinder ist der kurze Pfad ein Abenteuer, für Erwachsene ein eindrucksvolles Lehrstück über den Wald der Zukunft. Plane etwa eine Stunde ein und geh langsam, denn die Stege können bei Nässe glatt sein.

Anreise und Rückreise

Der Rothaarsteig ist gut mit der Bahn erreichbar. Brilon, Willingen und Winterberg haben Bahnhöfe, und im Süden liegen unter anderem Bad Berleburg und Erndtebrück an einer Bahnlinie, die das Wittgensteiner Land erschließt. Dillenburg liegt an einer Hauptstrecke mit guten Verbindungen nach Siegen, Gießen und Frankfurt. Damit kannst du den Weg in Teilstücken gehen und an vielen Stellen ein- und aussteigen. Zwischen den Bahnhöfen verbinden Busse die Orte, am Wochenende und in den Ferien allerdings oft seltener. Wie du Streckenwanderungen mit Bus und Bahn planst, steht in Wandern ohne Auto.

Übernachtung und Gepäck

Entlang des Weges gibt es Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Ferienwohnungen. Gerade in kleinen Orten ist die Zahl der Betten begrenzt, und viele Gastgeber haben sich auf Wandernde eingestellt, holen sie auf Anfrage am Weg ab und bringen sie am nächsten Morgen wieder hinauf. Mehrere Anbieter organisieren Pauschalreisen mit Gepäcktransport. Wer selbst trägt, kommt mit einem Rucksack von 30 bis 35 Litern gut aus. Was hineingehört, beschreibt Wanderrucksack richtig packen.

Die beste Jahreszeit

  • Frühjahr: Ab Ende April und im Mai sind die Wege meist schneefrei, die Buchen treiben aus, und es ist noch angenehm kühl.
  • Sommer: Lange Tage, Heidelbeeren am Wegrand und im August die Heideblüte. Auf den Kahlflächen kann es heiß werden.
  • Herbst: Bunte Laubwälder, klare Fernsicht und weniger Betrieb. Für viele die schönste Zeit.
  • Winter: Auf den Höhen liegt oft Schnee, und rund um Winterberg und Willingen dreht sich alles um Wintersport. Der Rothaarsteig ist dann nur abschnittsweise auf geräumten Winterwegen begehbar. Mehr dazu in Winterwandern und Schneeschuhtouren.

Weitere Wege in der Region

Das Sauerland hat neben dem Rothaarsteig weitere bekannte Wanderwege. Der Sauerland-Höhenflug verläuft über die Höhen des Sauerlands bis nach Nordhessen und kreuzt den Rothaarsteig. Zwischen Bad Berleburg und Schmallenberg führt der WaldSkulpturenWeg an großen Kunstwerken vorbei, die Künstler eigens für den Wald geschaffen haben. Viele Orte haben außerdem kürzere Rundwege, die als Premium- oder Qualitätswege ausgezeichnet sind. Sie eignen sich gut, um die Region bei einem Wochenende kennenzulernen.

Ausrüstung

  • Bequeme, eingelaufene Wanderschuhe für lange Etappen auf Forstwegen und Pfaden, wie in Wanderschuhe kaufen beschrieben
  • Regenjacke und warme Schicht, denn auf den Höhen ist es oft windig und kühler als im Tal
  • Sonnenhut und Sonnencreme für die offenen Kahlflächen
  • Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Etappe, weil Einkehrmöglichkeiten am Kamm selten sind
  • Karte oder Offlinekarte, vor allem für die Zuwege zu den Unterkünften
  • Blasenpflaster und ein kleines Erste-Hilfe-Set

Häufige Fragen

Ist der Rothaarsteig für Anfänger geeignet?

Ja. Technisch ist der Weg einfach, und die Steigungen sind moderat. Die Herausforderung liegt in der Länge der Etappen über mehrere Tage. Wer schon Tagestouren von 15 bis 20 Kilometern gemacht hat, kommt mit einer entspannten Etappeneinteilung gut zurecht.

Wie ist der Weg markiert?

Der Rothaarsteig trägt ein eigenes Wegzeichen, das an Bäumen, Pfosten und Wegweisern angebracht ist. Zusätzlich gibt es eigene Zeichen für die Zuwege zu den Orten und Bahnhöfen. Durch Holzarbeiten auf den Kahlflächen können Markierungen zeitweise fehlen, deshalb ist eine Karte oder App als Ergänzung sinnvoll.

Kann ich den Rothaarsteig mit Hund gehen?

Ja, der Weg ist hundefreundlich, und viele Unterkünfte nehmen Hunde auf. In Naturschutzgebieten wie den Hochheiden und während der Brut- und Setzzeit gilt Leinenpflicht. Auf den Kahlflächen fehlen im Sommer Schatten und Wasser, plane daher Pausen und Wasser für deinen Hund ein. Mehr dazu steht in Wandern mit Hund.

In welche Richtung sollte ich gehen?

Die meisten Beschreibungen folgen der Richtung von Brilon nach Dillenburg, von Norden nach Süden. Zwingend ist das nicht, denn der Weg ist in beide Richtungen markiert. Wer die bekanntesten Höhepunkte rund um Winterberg gleich zu Beginn erleben möchte, startet im Norden.

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