Winterwandern und Schneeschuhtouren: sicher unterwegs bei Schnee und Kälte
Geräumte Winterwege, Schneeschuhe oder Grödel? Ausrüstung, Technik, Lawinengrundwissen, kurze Tage, Kälte und Rücksicht auf Wildtiere beim Wandern im Winter.
Ein Wintertag im Mittelgebirge hat seinen eigenen Zauber. Die Wälder sind still, der Schnee knirscht unter den Schuhen, Raureif überzieht die Zweige, und von einem freien Gipfel reicht der Blick bei klarer Luft oft viel weiter als im Sommer. Viele Wege, die im Sommer voll sind, gehören im Winter fast dir allein. Gleichzeitig ist Wandern im Winter anspruchsvoller: Die Tage sind kurz, der Untergrund ist rutschig oder tief verschneit, Kälte und Wind setzen dem Körper zu, und in steilem Gelände kommt die Lawinengefahr hinzu.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Arten des Winterwanderns es gibt, welche Ausrüstung du brauchst, wie du mit Schneeschuhen gehst und worauf du bei Planung, Kälte und Lawinen achten musst. Er richtet sich an Wandernde, die im Sommer schon Erfahrung gesammelt haben und den Winter neu entdecken möchten.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Einsteiger sind geräumte oder gespurte Winterwanderwege die beste Wahl. Grödel unter den Schuhen geben auf festgetretenem Schnee und Eis Halt.
- Schneeschuhe brauchst du erst bei tiefem, lockerem Schnee abseits geräumter Wege.
- Lawinen können schon an Hängen ab etwa 30 Grad Neigung abgehen. Abseits gesicherter Wege gehören Lawinenlagebericht, Notfallausrüstung und Ausbildung dazu.
- Plane mit kurzen Tagen: Sei mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang zurück und nimm immer eine Stirnlampe mit.
- Wildtiere sparen im Winter Energie. Bleib auf den Wegen und meide Wildruhezonen.
Winterwandern, Schneeschuh, Skitour: die Unterschiede
Unter dem Begriff Winterwandern verbergen sich ganz unterschiedliche Aktivitäten. Sie unterscheiden sich vor allem im Gelände und in den Anforderungen.
| Art | Gelände | Ausrüstung | Für wen |
|---|---|---|---|
| Winterwandern auf geräumten Wegen | präparierte, oft ausgeschilderte Winterwege | warme Wanderschuhe, Grödel, Stöcke | fast alle, auch Familien |
| Wandern auf verschneiten Sommerwegen | festgetretene Wege und Pfade | wie oben, dazu Gamaschen | Wandernde mit Erfahrung |
| Schneeschuhwandern | tiefer Schnee, Wälder, sanfte Hänge | Schneeschuhe, Stöcke mit Schneetellern | Einsteiger auf markierten Trails, Erfahrene auch im freien Gelände |
| Skitour | alpines Gelände, oft lawinengefährdet | Tourenski, Felle, Lawinenausrüstung | Erfahrene mit Ausbildung |
Für diesen Ratgeber stehen die ersten drei im Mittelpunkt. Skitouren und Schneeschuhtouren im steilen alpinen Gelände setzen Ausbildung und Erfahrung voraus, die ein Text nicht ersetzen kann.
Wo Winterwandern gut gelingt
In vielen deutschen Mittelgebirgen und in den bayerischen Alpen pflegen Gemeinden und Tourismusverbände eigene Winterwanderwege. Sie werden nach Schneefällen mit Maschinen geräumt oder gewalzt und sind oft mit eigenen Schildern ausgewiesen. Gute Regionen sind etwa der Schwarzwald, der Bayerische Wald, der Harz, der Thüringer Wald, das Erzgebirge, die Rhön und das Allgäu. Viele Orte veröffentlichen im Winter aktuelle Hinweise, welche Wege geräumt sind. Ein Blick auf die Seite der Tourist-Information oder ein Anruf spart Enttäuschungen.
Achte darauf, dass Winterwege nicht immer dem Verlauf der Sommerwege folgen. Manche Sommerwege führen durch steile Hänge, über Brücken ohne Winterdienst oder durch Lawinenstriche und sind im Winter gesperrt. Folge deshalb den Winterschildern und nicht automatisch der Markierung, die du aus dem Sommer kennst. Mehr dazu steht in Wegmarkierungen verstehen.
Die richtige Ausrüstung
Im Winter entscheidet die Ausrüstung mehr als im Sommer darüber, ob ein Ausflug angenehm oder gefährlich wird.
Schuhe: Warme, wasserdichte Wanderschuhe mit griffiger Profilsohle sind die Grundlage. Sie sollten so viel Platz haben, dass auch mit dicken Socken die Zehen frei beweglich bleiben, denn eingeengte Füße frieren schneller. Gamaschen verhindern, dass Schnee oben in die Schuhe rieselt.
Grödel und Spikes: Grödel sind kleine Ketten mit Zacken, die du mit einem Gummiband über die Schuhe ziehst. Sie geben auf vereisten Wegen und festem Schnee erstaunlich viel Halt und wiegen wenig. Sie sind kein Ersatz für Steigeisen im alpinen Gelände, für Winterwanderwege aber ideal.
Stöcke: Wanderstöcke mit großen Schneetellern helfen beim Gleichgewicht und entlasten im Abstieg. Wie du sie einstellst, erklärt Wanderstöcke richtig nutzen.
Kleidung: Das Zwiebelprinzip ist im Winter wichtiger denn je. Eine wärmende Basisschicht aus Merino oder Kunstfaser, ein Fleece, eine warme Jacke für die Pausen und eine winddichte Außenschicht lassen sich je nach Anstrengung kombinieren. Dazu kommen Mütze, Schlauchtuch und zwei Paar Handschuhe, damit du nasse wechseln kannst.
Weiteres: Eine Isolierflasche mit warmem Tee, energiereicher Proviant, eine Stirnlampe mit vollen Akkus, eine Sonnenbrille gegen die Blendung durch Schnee, Sonnencreme, ein Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke und ein geladenes Handy, das du nah am Körper trägst, weil Kälte den Akku schnell leert.
Schneeschuhe: Auswahl und Technik
Schneeschuhe verteilen dein Gewicht auf eine größere Fläche, sodass du im Pulverschnee nicht bis zu den Knien einsinkst. Moderne Modelle bestehen aus Kunststoff oder Aluminium, haben eine Bindung für normale Winterschuhe, Zacken unter der Sohle für Halt auf Harsch und eine Steighilfe: einen Bügel unter der Ferse, der im Aufstieg die Waden entlastet.
Für die ersten Touren lohnt sich das Ausleihen. Viele Sportgeschäfte in Wintersportorten verleihen Schneeschuhe und Stöcke, und in mehreren Regionen gibt es geführte Schneeschuhwanderungen, bei denen du die Technik unter Anleitung lernst.
So gehst du richtig:
- In der Ebene: etwas breitbeiniger gehen als sonst, damit die Schneeschuhe nicht aneinanderstoßen. Die Schritte bleiben natürlich, die Stöcke helfen beim Rhythmus.
- Bergauf: Steighilfe ausklappen, kleine Schritte, die Frontzacken fest in den Schnee drücken. Bei steileren Passagen gehst du in flachen Serpentinen statt direkt hinauf.
- Bergab: Die Steighilfe einklappen, das Gewicht leicht nach hinten verlagern, die Knie locker gebeugt halten und mit der Ferse zuerst aufsetzen.
- Queren: Am Hang die bergseitige Kante des Schneeschuhs in den Schnee drücken und den bergseitigen Stock kürzer greifen.
- Spuren: Wer im Tiefschnee vorausgeht, leistet Schwerstarbeit. Wechselt euch in der Gruppe regelmäßig ab.
Lawinen: das Wichtigste für Wandernde
Lawinen sind keine Gefahr, die nur Skitourengeher betrifft. Auch Schneeschuhwandernde und Winterwanderer, die geräumte Wege verlassen, können in lawinengefährdetes Gelände geraten. Die wichtigsten Grundregeln:
- Steilheit: Schneebrettlawinen lösen sich vor allem an Hängen ab etwa 30 Grad Neigung. Auch flache Wege können gefährdet sein, wenn sie unterhalb steiler Hänge verlaufen.
- Lawinenlagebericht: In den Alpen veröffentlichen die Lawinenwarndienste in der Saison täglich einen Bericht mit der Gefahrenstufe auf einer europaweit einheitlichen Skala von 1 bis 5. Viele Unfälle passieren bei den Stufen 2 und 3, die harmloser klingen, als sie sind.
- Sperrungen beachten: Gesperrte Wege sind gesperrt, weil oberhalb eine Lawine abgehen kann.
- Ausrüstung und Wissen: Wer abseits gesicherter Wege im Gebirge unterwegs ist, braucht ein Lawinenverschüttetensuchgerät, eine Schaufel und eine Sonde, und muss mit ihnen umgehen können. Lawinenkurse bieten die Alpenvereine und Bergschulen an.
Für die meisten Winterwanderungen im Mittelgebirge ist die Lawinengefahr gering. In den Alpen gilt dagegen: Ohne Ausbildung bleibst du auf geräumten, ausgewiesenen Winterwegen und markierten Schneeschuhtrails.
Kurze Tage, langsamere Schritte
Um die Wintersonnenwende sind die Tage in Deutschland nur rund acht Stunden hell. Im Wald und in schattigen Tälern wird es schon am frühen Nachmittag dämmrig. Gleichzeitig kommst du im Schnee langsamer voran als im Sommer. Auf festgetretenen Wegen ist der Unterschied gering, in frischem Schnee kann sich die Gehzeit deutlich verlängern, teils verdoppeln.
Plane deshalb so:
- Wähle kürzere Touren als im Sommer und rechne mit großzügigem Zeitpuffer. Die Grundlagen der Gehzeitberechnung stehen in Gehzeit berechnen.
- Lege eine Umkehrzeit fest und halte sie ein, auch wenn das Ziel nah scheint.
- Starte früh, damit du die hellen Stunden voll nutzen kannst.
- Nimm immer eine Stirnlampe mit, auch für eine kurze Nachmittagstour.
Kälte: Unterkühlung und Erfrierungen
Bei Kälte verlierst du Wärme vor allem durch Wind, durch nasse Kleidung und durch Kontakt mit kaltem Boden. Unterkühlung beginnt oft schleichend: Du zitterst, wirst langsamer, ungeschickter und fängst an, Fehler zu machen. Spätestens dann ist es Zeit für eine warme Schicht, etwas Süßes und ein warmes Getränk, und im Zweifel für den Rückweg.
Erfrierungen betreffen vor allem Finger, Zehen, Nase, Ohren und Wangen. Die Haut wird zuerst gerötet, dann weißlich, kalt und gefühllos. Wärme betroffene Stellen langsam mit Körperwärme, etwa indem du die Hände unter die Achseln steckst. Reibe sie nicht mit Schnee ein, wie es alte Ratschläge empfehlen, denn das schädigt das Gewebe zusätzlich. Bei Blasen, anhaltender Gefühllosigkeit oder dunkler Verfärbung brauchst du ärztliche Hilfe. Was im Ernstfall zu tun ist, beschreibt Notfall am Berg.
Vorbeugen ist einfacher als behandeln: Iss und trink regelmäßig, auch wenn du keinen Hunger und Durst spürst, wechsle nasse Handschuhe und Socken, und pausiere an windgeschützten Stellen. Hinweise zur Verpflegung findest du in Proviant und Trinken beim Wandern.
Rücksicht auf Wildtiere
Für Wildtiere ist der Winter eine harte Zeit. Rehe, Hirsche, Gämsen und Raufußhühner wie das Auerhuhn fahren ihren Stoffwechsel herunter, um mit wenig Nahrung auszukommen. Jede Flucht durch tiefen Schnee kostet sie Energie, die sie bis zum Frühjahr dringend brauchen. In vielen Regionen gibt es deshalb ausgewiesene Wildruhezonen oder Wildschutzgebiete, die im Winter nicht betreten werden dürfen.
So verhältst du dich richtig:
- Bleib auf Wegen und markierten Trails, besonders mit Schneeschuhen.
- Meide Waldränder und Futterstellen in der Dämmerung, wenn das Wild aktiv ist.
- Führe Hunde an der Leine.
- Sei leise und mach keine Abstecher in Dickichte oder Jungwälder.
Langlaufloipen sind tabu
In vielen Wintersportgebieten führen Winterwanderwege an Langlaufloipen entlang oder kreuzen sie. Die Spuren der Loipe werden mit großem Aufwand gezogen, und Fußabdrücke oder Schneeschuhspuren zerstören sie. Geh deshalb nie in der Loipe, sondern neben ihr auf dem Winterweg, und quere sie nur an dafür vorgesehenen Stellen.
Wetter im Winter lesen
Das Winterwetter kann schnell umschlagen. Neuschnee, Sturm, Nebel und Glatteis verändern die Verhältnisse innerhalb weniger Stunden. Prüfe vor jeder Tour den Wetterbericht für die Höhenlage deiner Tour, nicht nur für den Ort im Tal. Bei Inversionswetterlagen ist es oben auf den Bergen oft sonnig und mild, während unten in den Tälern kalter Nebel liegt. Umgekehrt kann es oben stürmisch sein, wenn unten Windstille herrscht. Wie du Wetterberichte für die Berge richtig deutest, erklärt Bergwetter lesen.
Häufige Fragen
Reichen Grödel, oder brauche ich Schneeschuhe?
Auf geräumten und festgetretenen Winterwegen reichen Grödel völlig aus. Schneeschuhe brauchst du, wenn der Schnee tief und locker ist und du ohne sie bei jedem Schritt einsinkst. Viele erfahrene Winterwanderer haben beides dabei und entscheiden unterwegs.
Kann ich mit Kindern Schneeschuhwandern?
Ja, für Kinder gibt es eigene, kleinere Schneeschuhe, und die meisten haben großen Spaß daran. Wähle kurze Runden auf flachem Gelände, plane viele Pausen und achte darauf, dass die Kinder nicht auskühlen. Eine Rodelpartie oder eine Einkehr am Ziel machen den Tag perfekt.
Wie erkenne ich, ob ein Winterweg geräumt ist?
Viele Orte und Tourismusregionen veröffentlichen im Winter einen aktuellen Räumbericht auf ihrer Website. Vor Ort erkennst du geräumte Wege an der breiten, glatt gewalzten Spur und an den Winterwegschildern. Ist ein Weg nicht geräumt, wird er deutlich anstrengender, und du brauchst mehr Zeit.
Ist Winterwandern bei starkem Frost gesund?
Für gesunde Menschen ist Bewegung in kalter, klarer Luft unproblematisch, wenn sie warm angezogen sind und sich nicht überanstrengen. Wer Herz- oder Atemwegserkrankungen hat, sollte vorher mit seiner Arztpraxis sprechen, denn kalte Luft kann die Atemwege reizen und den Kreislauf zusätzlich belasten. Ein Schlauchtuch vor Mund und Nase wärmt die Atemluft etwas vor.